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Die Vineyard als eine Bewegung in drei Aggregatzuständen

So könnte man es praktisch und etwas salopp auf den Punkt bringen, wenn wir sagen: Vineyard gibt es in drei Aggregatzuständen – Wasser, Dampf und Eis, will sagen freikirchlich, evangelisch und katholisch. Es ist immer H2O, jedoch in unterschiedlicher Ausprägung. Oscar Cullmann[1] spricht von dem diversifizierenden Handeln des Heiligen Geistes in der Kirche. Sodass durch eben diese Unterschiedlichkeit eine Einheit der Kirchen möglich sei, weil der Herr der Kirche einer jeden besondere Charismen anvertraut hat. Diese Sicht bejahen wir und leben diese aus, indem wir als Bewegung uns dort verschenken, wie der Herr der Kirche Berufungen führt und Menschen sammelt. Als Vineyard wollen wir einen Beitrag dazu leisten, den postmodernen Menschen in die Nachfolge des Auferstandenen zu begleiten. Dies kann lokal ganz unterschiedliche Formen annehmen. Dem werden wir Raum geben – sodass Biotope der Hoffnung entstehen können. Es sind sicher noch manche Fragen dazu offen, doch wir sehen eben als Bewegung eine große Chance, Menschen mit unseren Werten und Prioritäten zu prägen, wenn wir uns als Vineyard mit unseren Möglichkeiten ganz an die Menschen in unseren Ländern verschenken.

Marcus B. Hausner ist Trainer für Personal- und Organisationsentwicklung und leitet gemeinsam mit seiner Frau Claudia die Vineyard Filstal.

 


[1] Einheit durch Vielfalt, Seite XX-YY, Oscar Cullmann, XX Verlag

Die Vineyard als eine erneuernde und gründende Bewegung

Als Bewegung kennzeichnet uns die aufrichtige Liebe zur ganzen Kirche Jesu Christi, welche die traditionelle, sowie die jungen Kirchen umfasst. So wurden die Impulse der Vineyard in den 80-ern bspw. mit vielen Anbetungsliedern, in den 90-ern mit dem Wirken des Heiligen Geistes oder der Prophetie im gemeindlichen Kontext weltweit dankbar von den Kirchen unterschiedlicher Couleur aufgenommen. Als ich einer Audiokassette von John Wimber lauschte, liefen mir bei einer Aussage die Tränen über das Gesicht, weil ich tief berührt war von der Einsicht und der Klarheit dieses Mannes. Sinngemäß sagte er, wir (als Vineyard) können nur deshalb experimentieren, weil die anderen (Kirchen) die Traditionen der Kirche Jesu für uns alle weiterführen. Würden sie es nicht, so wäre dies unsere Aufgabe. Hier kommt eine tiefe Wertschätzung und Einordnung gerade auch der verfassten Kirche zum Tragen.

Die Impulse, die seit den Anfängen durch die Vineyard-Bewegung gesetzt wurden und auch in Zukunft gesetzt werden, schaffen sich Raum durch Erneuerung der Kirche und dem Gründen von Vineyards. Beiden Wegen sind wir zutiefst verpflichtet. Wir suchen und wollen Erneuerung, weil wir das, was uns Gott anvertraut hat, Menschen weitergeben wollen. Wir wissen um die Leidenschaft Jesu, dass wir eins seien und deshalb suchen wir das Einende und drängen nach einschließender Gemeinschaft. Wir suchen und wollen das Gründen von Vineyards, weil wir glauben, dass der große Auftrag Jesu aus Matthäus 18 am wirksamsten durch Gemeindegründung umgesetzt werden kann. Dies wird eine Vielzahl von ‚Biotopen der Hoffnung’ hervorbringen, die Menschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz die Liebe, die Annahme und die Vergebung des Vaters erfahrbar macht.

Könnte es sein, dass wir den zweifaltigen Auftrag der Erneuerung und der Gemeindegründung so weiterführen, dass wir beides zusammen sehen und damit Erneuerung nicht nur inhaltlich betrachten wie beispielsweise mit Themen wie Zeichen und Wunder oder Barmherzigkeit, sondern die Kompetenz in Leiterschaft und Gemeindeaufbau auch für eine strukturelle Erneuerung oder sollten wir eher sagen Erweiterung in den bestehenden Kirchen einsetzen? Was das konkret heißt? Nun, dass wir Vineyards gründen in der evangelischen Kirche, in der katholischen Kirche oder auf der grünen Wiese. Entscheidend sind an dieser Stelle nicht programmatische Aussagen, sondern die persönliche Wegführung der Leiterinnen und Leiter vor Ort. Unsere Inhalte und Erfahrungen im werteorientiertem Gemeindeaufbau sind im Umfeld der verfassten Kirche geradeso zu realisieren, wie als freie Gemeinde. Unsere Werte, unsere Vision und unsere Beziehungen halten eine Bewegung von Jesusnachfolgern zusammen, die lokal vielfältige Wege beschreiten, um Menschen zu einem jesusmässigen Leben zu inspirieren. So hat diese zweifache Berufung sehr praktische Konsequenzen: Wir verstehen auch die verfassten Kirchen als Platzanweisung und werden dort Vineyards ins Leben rufen. Wir sind und leben Kirche Jesu Christi im biblischen Sinne, jedoch sind wir keine Denomination, die sich bspw. theologisch vollumfänglich zu definieren hat. Wir nehmen Berufungen von Leiterinnen und Leitern ernst, die Vineyards gemäß ihrer Platzanweisung bauen wollen.

Marcus B. Hausner ist Trainer für Personal- und Organisationsentwicklung und leitet gemeinsam mit seiner Frau Claudia die Vineyard Filstal.

nächste Woche Teil 3: Die Vineyard als Bewegung in drei Aggregatzuständen

Bewegungen sind Kinder ihrer Zeit

Bewegungen sind Kinder ihrer Zeit. Sie sind eine soziologische Reaktion auf bestehende gesellschaftliche Verhältnisse. So setzten sich die Friedensbewegung in den 80-er Jahren, die Arbeiterbewegung oder die Bauernbewegung im 19. Jahrhundert für Themen und Ziele in ihrer Zeit ein, um gesellschaftliche Veränderungen zu erreichen. Wir leben heute in einer Zeit, die geprägt ist von wachsender Komplexität (Undurchsichtigkeit) und wachsender Dynamik (Geschwindigkeit) in allen denkbaren Lebensbereichen – seien es die privaten Lebensverhältnisse, sei es wirtschaftliches Handeln oder kulturelle oder gar technologische Entwicklungen. Die Globalisierung, die zunehmende Individualisierung und die fortschreitende Fragmentierung unserer Gesellschaft sind mittlerweile nicht nur in Form des Internets oder der Systemgastronomie in die letzten Winkel unseres Landes vorgedrungen.

Und so stellen wir uns als Jesusnachfolger die Frage, was Christus uns für diese Zeit zu sagen hat. Der Mann aus Nazareth hat seinerzeit eine Bewegung ins Leben gerufen, die bis zum heutigen Tag weltweit mehr als 2 Milliarden Nachahmer gefunden hat. Bewegungen transportieren Ideen, Realitäten und formen und prägen Menschen. Unser Verständnis einer Bewegung fußt auf der Sicht, dass verschiedene Menschen aus dem deutschsprachigen Raum eine gemeinsame Sicht (Vision) und Hoffnung für die Zukunft unserer Länder haben. Dass sie gemeinsame Werte und Grundüberzeugungen teilen, wie Jesusnachfolge persönlich und in Gemeinschaft aussehen könnte, sowie dass sie gemeinsame, transparente Beziehungen in einer Familie von Gemeinden und Gemeinschaften leben.

Die Vineyard als eine einschließende Bewegung

Vineyard bauen, bedeutet Bewegung ins Leben zu rufen, zu fördern und freizusetzen. Das geschieht auf der persönlichen, lokalen, regionalen, nationalen, sowie internationalen Ebene. Als Bewegung verstehen wir uns als Familie von Gemeinschaften und Gemeinden. Das bedeutet, wir legen Strukturen nur soweit sie dem Leben der Menschen dienen. Das Centered Set formuliert das Grundverständnis unserer Gruppen. Gruppen mit einer sammelnden Mitte atmen Freiheit und Verantwortung. Sie sind flexibel und werteorientiert. Menschen leben auf der Grundlage gemeinsamer Werte echte und transparente Beziehungen. Der Kern dieser Gruppen bildet sich aus einem Team an Menschen, die diese Werte formulieren und leben. Darum gibt es verschiedene Ebenen der Integration auf denen sich die Menschen (oder Gruppen) einfinden. Die Persönlichkeit und das Leben der Menschen zieht andere Menschen an, die dasselbe für das eigene Leben suchen.

Dieses Verständnis kennzeichnet die Vineyard und steht für ein einschließendes Verständnis das nicht alle theologischen Details festschreibt, sowie keine fixiertes Statuten oder Strukturen schafft, die ein ‚Entweder-oder’ erzwingen sondern dort wo es den Menschen und dem Leben dient, das ‚Sowohl-als-auch’ erlaubt.

Marcus B. Hausner ist Trainer für Personal- und Organisationsentwicklung und leitet gemeinsam mit seiner Frau Claudia die Vineyard Filstal.

– nächste Woche Teil 2:  Die Vineyard als eine erneuernde und gründende Bewegung

Mein mittlerer Sohn Mattis ist gerade in die dritte Klasse gekommen und teilte mir jüngst mit leidvoller Miene mit, das der Ernst des Lebens gekommen sei und die Schule nun endgültig den Flair des Kindergartens verloren habe. Er paukt nun fleißig das Rechnen im Hunderterraum und eignet sich u.a. die unumstößlichen Gesetze der Mathematik an. Was in jungen Jahren mühsam erlernt wurde, prägt unser späteres Leben. ‚Zahlen lügen nicht’, so sagt der Volksmund und will uns damit empfehlen zu akzeptieren was nun gegeben ist: 1+1=2. Diese Gleichung ist wahr und unser Verständnis, wenn Dinge zusammenkommen, sich entwickeln und entfalten basiert auf dieser Gleichung. Die Menge an Wissen, Ressourcen oder Menschen verdoppelt sich dann, wenn die gleiche Menge der Ausgangsgröße hinzukommt. Wachstum und Entwicklung wird also als Addition verstanden. Soweit so richtig. Ein Organismus, eine Gemeinschaft, ein Mensch wächst im ersten Schritt durch Zellteilung.

 

Das Wachstum erfährt jedoch eine natürliche Grenze. Ich bin seit meinem 19. Lebensjahr 1,84 m groß und kann seither nur noch auf ungewolltes Gewichtswachstum zurückblicken. Dies hat mich einen anderen Weg einschlagen lassen. 16 Monate nachdem ich meine Frau heiratete, kam Marius zur Welt. Ich wurde persönlich Zeuge einer neuen Gleichung: 1+1=3. Wir haben uns sozusagen vervielfacht. Multiplikation fügt nicht hinzu, sondern erweitert. Dies kann jedoch bedeuten, dass wir gewohnte Wege der Entwicklung aufgeben und neue suchen. Für einen Gemeindegründer kann es bspw. wichtig werden, bewusst in Menschen zu investieren, die ihrerseits wieder Menschen begleiten können. In dieser Weise vervielfacht er seine Chancen, Menschen zu einem jesusmässigen Leben zu inspirieren. Dies wird bedeuten, dass er Gewohnheiten aufgibt, weil diese an eine natürliche Grenze kommen.

 

In den vergangenen Jahren habe ich eine weitere kreative und dynamische Gleichung Gottes kennen gelernt: 1+1=11. Wenn zwei Menschen sich auf Augenhöhe begegnen, ergänzen, fordern und fördern – neudeutsch peer-mentoring genannt – setzt dies ungeahnte Kräfte frei. Ich treffe mich seit gut zwei Jahren mit einem guten Freund und Gemeindegründer alle sechs Wochen für einen Tag. Dafür reisen wir quer durch die Republik und wir profitieren von einem gegenseitigen Geben und Nehmen. Mut, Zuversicht, Wissen und gegenseitige Rechenschaft erzeugen Synergien, die uns auf Kurs halten und uns Gottes Prioritäten immer wieder neu vor Augen stellen. Dass Jesus die Jünger zu zweit ausgesandt hat, erscheint vor diesem Hintergrund in einem neuen Licht.

1+1=2 Addition
1+1=3 Mutiplikation
1+1=11 Synergie
1+0+0+0 Gottes neue Welt

Gottes schöpferisches Rechnen kommt für mich jedoch dann zu überraschenden und beglückenden Ergebnissen, wenn Er selbst eingreift, präsent ist und in die Gemeinschaft von Menschen kommt, die NULL Erwartungen an sich und ALLE Erwartungen auf Ihn richten. Carol Wimber hat die Geburtsstunde der Vineyard beschrieben als eine kleine Gruppe von bedürftigen Menschen, die lediglich eine Sehnsucht hatten: Jesus zu begegnen oder in Zahlen ausgedrückt: 1+0+0+0 = 1.000. Als Gemeindegründer kommen wir immer wieder an den Nullpunkt. Lasst uns in der Bewegung und in den lokalen Vineyards die Demut der ersten Stunden bewahren und der wahren ‚1’ den Platz geben, den sie verdient. Wir werden mit mehr als 1.000 Möglichkeiten beschenkt werden.

 

Marcus B. Hausner ist Trainer für Personal- und Organisationsentwicklung und leitet gemeinsam mit seiner Frau Claudia die Vineyard Filstal.

Was mir Menschen, die den Versuch einer Gründungsinitiative wagen immer wieder berichten, ist: „Wow, ich wusste gar nicht, dass dies so tief in mein Leben hinein wirkt und mich verändert.“

In der Tat, etwas Neues zu starten braucht den ganzen Menschen. Seine ganze Hingabe, wenig Kompromisse und einen Lebensstil der auf das eine Ziel ausgerichtet ist: Menschen finden. In diesem Sinne ist die Herausforderung drastisch und deshalb lebensverändernd. Vor allem bei Erstgründern scheint Gott einen inneren Prozess anzustoßen, der zutiefst ans Eingemachte geht. Egal ob solche Initiativen erfolgreich im Sinne der Zahlen und Bekehrungen sind, reifen diese Menschen in einer Weise, die sie selbst nicht für möglich hielten. Die Motive, die Persönlichkeit, das Gottesbild, die Beziehungen, alles kommt vertieft unter die Lupe.

In den letzten drei Jahren gab es in unserer Bewegung fast 30 neue Initiativen, davon wagten sechs Gemeinschaften, welche bereits eine Gemeinde waren und als Rest nach einer Krise übrig blieben, einen Neustart. Die anderen wurden entweder aus den bestehenden Gemeinden gesendet oder kamen durch die Werte und Ziele der Bewegung dazu. Es ist total begeisternd zu sehen, wie sich Menschen immer wieder herausfordern lassen auf das Abenteuer Gemeindegründung und bereit sind für den Schmerz und die Plackerei.

Was mir weiter durch die Gründertrainings und einige Gespräche auffällt, sind die beängstigenden erfolgsorientierten Bilder, die das Thema Gemeindegründung hervorbringt: Bei den ersten Gedanken an Gründung hör ich oft die Frage nach super Band, super Predigten, vollem Haus und exzellenter Kinderbetreuung – bumm. Da versuchen wir einerseits das Gründen von Vineyards so einfach wie möglich zu machen und sind andererseits konfrontiert mit Vorstellungen, was ein Leiter und ein Team alles bringen muss, so dass man erst gar nicht an den Start geht. Da läuft definitiv was falsch.

Wenn man die Frage der persönlichen Berufung geklärt hat, also sich von Gott in diese Richtung geführt weiß, wird auch Bestätigung von Menschen um dich herum kommen. Du musst dir einfach noch überlegen wie du beginnen willst. Da gibt es grob gesehen zwei Richtungen: Entweder von außen nach innen oder von innen nach außen.

Beim ersteren geht es darum, ein gutes Team zusammen zu haben das willig ist, sich in Events und Gottesdienste zu verschenken. Dafür brauchst du gute, wirklich gute Musiker, ein Kinderprogramm mit guter Qualität  sowie gute Predigten, die suchende Menschen ansprechen. Dann beginnt das Sammeln und Klären davon, wer dabei bleibt und wer nicht. Du solltest dir einfach im klaren darüber sein, wenn du mit einem „Bigbang“ von 50 bis 100 Menschen beginnen willst, du vorher 500 bis 1000 Leuten deine Geschichte (Vision) „verklickert“ haben musst. Sollte das in dein Gabenprofil passen, leg los und lass dich nicht bremsen. Es ist einfach ratsam zu wissen wer man ist und was man kann. Die wenigsten von uns gehen so vor und haben dieses Gabenprofil, deshalb müssen wir uns auch nicht mit dieser klassischen Vorstellung, wie man eine Gemeinde starten kann, belasten.

Wenn wir von innen nach außen arbeiten, also klein beginnen, geht es in erster Linie nicht um Zahlen und die dafür notwendige öffentliche Präsenz, sondern man höre und staune, um den Dienst Jesus. Wir lassen uns vom Heiligen Geist führen und beten, bejüngern, heilen und dienen Menschen. Wir bauen Beziehungen, sind fokussiert und früher oder später finden Menschen in solch einer Umgebung Jesus. Es gilt den Dienst Jesus im Blick zu behalten und zu tun. So gesehen ist Gemeindegründung nicht schwer, denn den Dienst Jesus tun -wozu wir alle berufen sind- kann man lernen. Hier gilt es einfach die Angstbarriere anderen Menschen gegenüber zu überwinden.

Für weitere Fragen stehe ich dir selbstverständlich gerne zur Verfügung. Bist du eventuell an einem längeren Praktikum in einer Gemeindegründung interessiert, melde dich ebenfalls. Achtung, fertig, los!

Roger Keller, Leiter Entwicklung Schweiz — Vineyard DACH

Floyd McClung, ehemaliger Leiter von Jugend mit einer Mission, redet darüber, wie wir als Leiter die gesamte Gruppe in Evangelisation einbinden können. Sein Ansatz ist, die Träume und Leidenschaften zu identifizieren und einen kreativen Weg finden, damit mit den Menschen zu dienen:

Michael Winkler hat als Berater und Coach von Gründungen in Deutschland ebenfalls reichhaltige Erfahrungen, Teams in der Evangelisation zu mobilisieren. Hier spricht er ebenfalls über die Nutzung von Stärken und teilt 2 Beispiele aus seiner Erfahrung:

Was machen wir, wenn wir nicht besonders evangelistisch sind in der Gründung? Christoph Schalk ist Coach und hat über die Jahre viele Gründungen begeleitet. Seiner Meinung nach sollte 50% der Energie der Gründung in Evangelisation fließen. Sein Vorschlag ist, kreative Wege zu finden, um mit den Stärken und Gaben nach außen zu wirken:

Beim letzten Mal habe ich zwei Netzwerke genauer betrachtet: das gewählte und das natürliche Netzwerke. Ich habe diese mit einem Mittelstrecken und Marathonlauf verglichen. Das dritte Netzwerk / Umfeld würde ich mit einem Sprint-Einsatz vergleichen.

Einsätze schaffen Raum, um kurze, jedoch intensive Kontakte zu jesusfernstehenden Menschen herzustellen. Einsätze haben große Vorteile. Deshalb ist es sehr zu empfehlen, in jeder Gründung regelmäßig Einsätze durchzuführen. Warum?

` ‚Therapeutische‘ Wirkung für Christen. Einsätze sind eine leichte Möglichkeit für Christen, Er-fahrungen mit jesusfernstehenden Menschen zu sammeln. Haupteffekt: Lernen, Gottes Stimme zu hören. Gehorsam sein und Menschenfurcht verlieren!

` Neue Netzwerke tun sich auf. Ihr lernt Menschen kennen, die Euch mit deren Freunden in Kontakt bringen können.

` Außenorientierung als Kultur. Ihr beteiligt jeden in der Gründung an außen gerichteten Aktivitäten. Rechne nicht damit, dass dadurch die meisten Menschen zu Euch finden. Wenn es passiert: Super!

Aber es ist wie Fitnesstraining. Und. Es entstehen Godstories, wie Gott wirkt, und das belebt die ganze Gruppe. Einige Beispiele für Einsätze:

Kirche ohne Mauern

Kirche ohne Mauern (engl. Servant Evangelism) wurde von Steve Sjogren in der Vineyard Cincinnati entwickelt und ermutigt Menschen mit kleinen Zeichen der Wertschätzung Gottes, Liebe praktisch zu zeigen. So kann man beispielsweise kleine Geschenke verteilen, Putzdienste in Kneipen anbieten oder an geeigneten Orten Müll sammeln und manches mehr. Menschen werden ggf. fragend und sprechen Euch an und ihr kommt ins Gespräch über das WARUM.

E-FUNgelisation

Armo Backhaus, christlicher Lebenskünstler, macht sich seit Jahren einen Namen mit seinen witzigen und charmanten Aktionen, die direkt oder indirekt Menschen mit dem Evangelium in Kontakt bringen. Mehr dazu kann man in seinem gleichnamigen Buch kennenlernen.

Interviews

‘An was denken Sie eigentlich spontan, wenn Sie das Wort ‘Kirche’ hören?’ Mit Fragebögen und Interviews ist es erstaunlich zu hören und zu sehen, was Menschen über Glaube und Kirche denken und fühlen. Dies kann man ohne großen Aufwand erleben und es wird der Blick geschärft für Wege, die das Evangelium finden kann, sodass es den Menschen von heute erreicht.

Dienst an den Armen

Menschen, die am Rande stehen, gilt im Besonderen Gottes Aufmerksamkeit. ‘Ihr habt mich gekleidet, ihr habt mich besucht, ihr habt mir zu essen gegeben …’ Als Jesusnachfolger überwinden wir soziale Grenzen und leben mit Menschen, die keine Perspektive haben. Sie haben einen festen Platz in unserem Leben, weil sie einen festen Platz in Gottes Herz haben. Sucht Orte wie Obdachlosenheime, soziale Brennpunkte, Altenheime, Asylantenunterkünfte, … Und verbringt Zeit mit diesen Menschen ohne Agenda. Kleine Geschenke sind jedoch immer willkommen. Hier gilt vor allem: Kommt regelmäßig. Einmalaktionen sind hier nicht so gut – im Sinne der Menschen gedacht.

Marcus B. Hausner ist Trainer für Personal- und Organisationsentwicklung und leitet gemeinsam mit seiner Frau Claudia die Vineyard Filstal.

Wie kommen wir nun mit (jesusfernstehenden) Menschen in Berührung? Wie können wir Beziehung mit ihnen leben? Um bewusst Raum in Deinem Leben für jesusfernstehende Menschen zu schaffen, sind drei verschiedene Formen hilfreich zu unterscheiden. Natürliche Netzwerke, gewählte Netzwerke und Einsätze. Alle drei Wege solltest Du beschreiten und damit experimentieren. Lerne, Dich in unterschiedlichen Netzwerken zu bewegen und zu verstehen, wie und wann Gott aktiv ist.

Der Marathon – natürliche Netzwerke

Dein natürliches Umfeld, wie Familie, Nachbarn, Arbeitsplatz, der Bäcker, bei dem ich immer einkaufe, der Arzt in meinem Stadtteil, … bietet tägliche Gelegenheiten, mit jesusfernstehenden Menschen in Kontakt zu kommen. Hier ist jedoch die Aufgabe des ‚Verkörperns‘ am anspruchsvollsten, weil diese Menschen sehr viel von uns erleben – und eben nicht nur unsere Schokoladenseiten. Deshalb sind diese Beziehungen wie ein ‚Marathonlauf‘ zu verstehen. Es geht um Langfristigkeit und Vertrauen. So gewinnt man mit der Zeit das Recht, gehört zu werden.

Der Mittelstreckenlauf – gewählte Netzwerke

Ich kann bewusst Umfelder wählen, die mich mit jesusfernstehenden Menschen in Kontakt bringen. Beispielsweise ich bin Trainer einer Jugendmannschaft in einem Fußballklub, ich engagiere mich ehrenamtlich an der Volkshochschule oder ich baue systematisch einen Kreis von Menschen auf, die ich immer wieder besuche. Das größte Geschenk, das wir Menschen machen können, ist, Zeit mitzubringen.

Eine Möglichkeit ist, z.B. einmal die Woche eine bestimmte „Runde“ zu gehen und verschiedene Menschen zu treffen (an der Dönerbude, im Cafe, den Zeitungsverkäufer, …).

Es ergeben sich bei solchen Runden ganz natürlich Situationen, in denen Du Menschen mit Gottes Gegenwart in Verbindung bringen kannst. Die Kraft entfaltet sich in der Wiederholung und Regelmäßigkeit. Jede Woche oder maximal alle 2 Wochen schafft einen wichtigen Eindruck. Sind Beziehungen erst einmal etabliert, dann kann es mitunter auch etwas seltener sein.

Nächste Woche komme ich zum dritten Netzwerk: den Sprint-Einsätzen.

Marcus B. Hausner ist Trainer für Personal- und Organisationsentwicklung und leitet gemeinsam mit seiner Frau Claudia die Vineyard Filstal.

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