Was mir Menschen, die den Versuch einer Gründungsinitiative wagen immer wieder berichten, ist: „Wow, ich wusste gar nicht, dass dies so tief in mein Leben hinein wirkt und mich verändert.“
In der Tat, etwas Neues zu starten braucht den ganzen Menschen. Seine ganze Hingabe, wenig Kompromisse und einen Lebensstil der auf das eine Ziel ausgerichtet ist: Menschen finden. In diesem Sinne ist die Herausforderung drastisch und deshalb lebensverändernd. Vor allem bei Erstgründern scheint Gott einen inneren Prozess anzustoßen, der zutiefst ans Eingemachte geht. Egal ob solche Initiativen erfolgreich im Sinne der Zahlen und Bekehrungen sind, reifen diese Menschen in einer Weise, die sie selbst nicht für möglich hielten. Die Motive, die Persönlichkeit, das Gottesbild, die Beziehungen, alles kommt vertieft unter die Lupe.
In den letzten drei Jahren gab es in unserer Bewegung fast 30 neue Initiativen, davon wagten sechs Gemeinschaften, welche bereits eine Gemeinde waren und als Rest nach einer Krise übrig blieben, einen Neustart. Die anderen wurden entweder aus den bestehenden Gemeinden gesendet oder kamen durch die Werte und Ziele der Bewegung dazu. Es ist total begeisternd zu sehen, wie sich Menschen immer wieder herausfordern lassen auf das Abenteuer Gemeindegründung und bereit sind für den Schmerz und die Plackerei.
Was mir weiter durch die Gründertrainings und einige Gespräche auffällt, sind die beängstigenden erfolgsorientierten Bilder, die das Thema Gemeindegründung hervorbringt: Bei den ersten Gedanken an Gründung hör ich oft die Frage nach super Band, super Predigten, vollem Haus und exzellenter Kinderbetreuung – bumm. Da versuchen wir einerseits das Gründen von Vineyards so einfach wie möglich zu machen und sind andererseits konfrontiert mit Vorstellungen, was ein Leiter und ein Team alles bringen muss, so dass man erst gar nicht an den Start geht. Da läuft definitiv was falsch.
Wenn man die Frage der persönlichen Berufung geklärt hat, also sich von Gott in diese Richtung geführt weiß, wird auch Bestätigung von Menschen um dich herum kommen. Du musst dir einfach noch überlegen wie du beginnen willst. Da gibt es grob gesehen zwei Richtungen: Entweder von außen nach innen oder von innen nach außen.
Beim ersteren geht es darum, ein gutes Team zusammen zu haben das willig ist, sich in Events und Gottesdienste zu verschenken. Dafür brauchst du gute, wirklich gute Musiker, ein Kinderprogramm mit guter Qualität sowie gute Predigten, die suchende Menschen ansprechen. Dann beginnt das Sammeln und Klären davon, wer dabei bleibt und wer nicht. Du solltest dir einfach im klaren darüber sein, wenn du mit einem „Bigbang“ von 50 bis 100 Menschen beginnen willst, du vorher 500 bis 1000 Leuten deine Geschichte (Vision) „verklickert“ haben musst. Sollte das in dein Gabenprofil passen, leg los und lass dich nicht bremsen. Es ist einfach ratsam zu wissen wer man ist und was man kann. Die wenigsten von uns gehen so vor und haben dieses Gabenprofil, deshalb müssen wir uns auch nicht mit dieser klassischen Vorstellung, wie man eine Gemeinde starten kann, belasten.
Wenn wir von innen nach außen arbeiten, also klein beginnen, geht es in erster Linie nicht um Zahlen und die dafür notwendige öffentliche Präsenz, sondern man höre und staune, um den Dienst Jesus. Wir lassen uns vom Heiligen Geist führen und beten, bejüngern, heilen und dienen Menschen. Wir bauen Beziehungen, sind fokussiert und früher oder später finden Menschen in solch einer Umgebung Jesus. Es gilt den Dienst Jesus im Blick zu behalten und zu tun. So gesehen ist Gemeindegründung nicht schwer, denn den Dienst Jesus tun -wozu wir alle berufen sind- kann man lernen. Hier gilt es einfach die Angstbarriere anderen Menschen gegenüber zu überwinden.
Für weitere Fragen stehe ich dir selbstverständlich gerne zur Verfügung. Bist du eventuell an einem längeren Praktikum in einer Gemeindegründung interessiert, melde dich ebenfalls. Achtung, fertig, los!
Roger Keller, Leiter Entwicklung Schweiz — Vineyard DACH
… auch meine Erfahrung …