Mein mittlerer Sohn Mattis ist gerade in die dritte Klasse gekommen und teilte mir jüngst mit leidvoller Miene mit, das der Ernst des Lebens gekommen sei und die Schule nun endgültig den Flair des Kindergartens verloren habe. Er paukt nun fleißig das Rechnen im Hunderterraum und eignet sich u.a. die unumstößlichen Gesetze der Mathematik an. Was in jungen Jahren mühsam erlernt wurde, prägt unser späteres Leben. ‚Zahlen lügen nicht’, so sagt der Volksmund und will uns damit empfehlen zu akzeptieren was nun gegeben ist: 1+1=2. Diese Gleichung ist wahr und unser Verständnis, wenn Dinge zusammenkommen, sich entwickeln und entfalten basiert auf dieser Gleichung. Die Menge an Wissen, Ressourcen oder Menschen verdoppelt sich dann, wenn die gleiche Menge der Ausgangsgröße hinzukommt. Wachstum und Entwicklung wird also als Addition verstanden. Soweit so richtig. Ein Organismus, eine Gemeinschaft, ein Mensch wächst im ersten Schritt durch Zellteilung.
Das Wachstum erfährt jedoch eine natürliche Grenze. Ich bin seit meinem 19. Lebensjahr 1,84 m groß und kann seither nur noch auf ungewolltes Gewichtswachstum zurückblicken. Dies hat mich einen anderen Weg einschlagen lassen. 16 Monate nachdem ich meine Frau heiratete, kam Marius zur Welt. Ich wurde persönlich Zeuge einer neuen Gleichung: 1+1=3. Wir haben uns sozusagen vervielfacht. Multiplikation fügt nicht hinzu, sondern erweitert. Dies kann jedoch bedeuten, dass wir gewohnte Wege der Entwicklung aufgeben und neue suchen. Für einen Gemeindegründer kann es bspw. wichtig werden, bewusst in Menschen zu investieren, die ihrerseits wieder Menschen begleiten können. In dieser Weise vervielfacht er seine Chancen, Menschen zu einem jesusmässigen Leben zu inspirieren. Dies wird bedeuten, dass er Gewohnheiten aufgibt, weil diese an eine natürliche Grenze kommen.
In den vergangenen Jahren habe ich eine weitere kreative und dynamische Gleichung Gottes kennen gelernt: 1+1=11. Wenn zwei Menschen sich auf Augenhöhe begegnen, ergänzen, fordern und fördern – neudeutsch peer-mentoring genannt – setzt dies ungeahnte Kräfte frei. Ich treffe mich seit gut zwei Jahren mit einem guten Freund und Gemeindegründer alle sechs Wochen für einen Tag. Dafür reisen wir quer durch die Republik und wir profitieren von einem gegenseitigen Geben und Nehmen. Mut, Zuversicht, Wissen und gegenseitige Rechenschaft erzeugen Synergien, die uns auf Kurs halten und uns Gottes Prioritäten immer wieder neu vor Augen stellen. Dass Jesus die Jünger zu zweit ausgesandt hat, erscheint vor diesem Hintergrund in einem neuen Licht.
| 1+1=2 | Addition |
| 1+1=3 | Mutiplikation |
| 1+1=11 | Synergie |
| 1+0+0+0 | Gottes neue Welt |
Gottes schöpferisches Rechnen kommt für mich jedoch dann zu überraschenden und beglückenden Ergebnissen, wenn Er selbst eingreift, präsent ist und in die Gemeinschaft von Menschen kommt, die NULL Erwartungen an sich und ALLE Erwartungen auf Ihn richten. Carol Wimber hat die Geburtsstunde der Vineyard beschrieben als eine kleine Gruppe von bedürftigen Menschen, die lediglich eine Sehnsucht hatten: Jesus zu begegnen oder in Zahlen ausgedrückt: 1+0+0+0 = 1.000. Als Gemeindegründer kommen wir immer wieder an den Nullpunkt. Lasst uns in der Bewegung und in den lokalen Vineyards die Demut der ersten Stunden bewahren und der wahren ‚1’ den Platz geben, den sie verdient. Wir werden mit mehr als 1.000 Möglichkeiten beschenkt werden.
Marcus B. Hausner ist Trainer für Personal- und Organisationsentwicklung und leitet gemeinsam mit seiner Frau Claudia die Vineyard Filstal.