Die Vineyard als eine erneuernde und gründende Bewegung
Als Bewegung kennzeichnet uns die aufrichtige Liebe zur ganzen Kirche Jesu Christi, welche die traditionelle, sowie die jungen Kirchen umfasst. So wurden die Impulse der Vineyard in den 80-ern bspw. mit vielen Anbetungsliedern, in den 90-ern mit dem Wirken des Heiligen Geistes oder der Prophetie im gemeindlichen Kontext weltweit dankbar von den Kirchen unterschiedlicher Couleur aufgenommen. Als ich einer Audiokassette von John Wimber lauschte, liefen mir bei einer Aussage die Tränen über das Gesicht, weil ich tief berührt war von der Einsicht und der Klarheit dieses Mannes. Sinngemäß sagte er, wir (als Vineyard) können nur deshalb experimentieren, weil die anderen (Kirchen) die Traditionen der Kirche Jesu für uns alle weiterführen. Würden sie es nicht, so wäre dies unsere Aufgabe. Hier kommt eine tiefe Wertschätzung und Einordnung gerade auch der verfassten Kirche zum Tragen.
Die Impulse, die seit den Anfängen durch die Vineyard-Bewegung gesetzt wurden und auch in Zukunft gesetzt werden, schaffen sich Raum durch Erneuerung der Kirche und dem Gründen von Vineyards. Beiden Wegen sind wir zutiefst verpflichtet. Wir suchen und wollen Erneuerung, weil wir das, was uns Gott anvertraut hat, Menschen weitergeben wollen. Wir wissen um die Leidenschaft Jesu, dass wir eins seien und deshalb suchen wir das Einende und drängen nach einschließender Gemeinschaft. Wir suchen und wollen das Gründen von Vineyards, weil wir glauben, dass der große Auftrag Jesu aus Matthäus 18 am wirksamsten durch Gemeindegründung umgesetzt werden kann. Dies wird eine Vielzahl von ‚Biotopen der Hoffnung’ hervorbringen, die Menschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz die Liebe, die Annahme und die Vergebung des Vaters erfahrbar macht.
Könnte es sein, dass wir den zweifaltigen Auftrag der Erneuerung und der Gemeindegründung so weiterführen, dass wir beides zusammen sehen und damit Erneuerung nicht nur inhaltlich betrachten wie beispielsweise mit Themen wie Zeichen und Wunder oder Barmherzigkeit, sondern die Kompetenz in Leiterschaft und Gemeindeaufbau auch für eine strukturelle Erneuerung oder sollten wir eher sagen Erweiterung in den bestehenden Kirchen einsetzen? Was das konkret heißt? Nun, dass wir Vineyards gründen in der evangelischen Kirche, in der katholischen Kirche oder auf der grünen Wiese. Entscheidend sind an dieser Stelle nicht programmatische Aussagen, sondern die persönliche Wegführung der Leiterinnen und Leiter vor Ort. Unsere Inhalte und Erfahrungen im werteorientiertem Gemeindeaufbau sind im Umfeld der verfassten Kirche geradeso zu realisieren, wie als freie Gemeinde. Unsere Werte, unsere Vision und unsere Beziehungen halten eine Bewegung von Jesusnachfolgern zusammen, die lokal vielfältige Wege beschreiten, um Menschen zu einem jesusmässigen Leben zu inspirieren. So hat diese zweifache Berufung sehr praktische Konsequenzen: Wir verstehen auch die verfassten Kirchen als Platzanweisung und werden dort Vineyards ins Leben rufen. Wir sind und leben Kirche Jesu Christi im biblischen Sinne, jedoch sind wir keine Denomination, die sich bspw. theologisch vollumfänglich zu definieren hat. Wir nehmen Berufungen von Leiterinnen und Leitern ernst, die Vineyards gemäß ihrer Platzanweisung bauen wollen.
Marcus B. Hausner ist Trainer für Personal- und Organisationsentwicklung und leitet gemeinsam mit seiner Frau Claudia die Vineyard Filstal.
nächste Woche Teil 3: Die Vineyard als Bewegung in drei Aggregatzuständen